Horror und Dark Art


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Hallo Josh, erstenmal ganz allgemein, was bedeutet Horror für dich?

 

 

 

Hallo und herzlichen Dank für dieses Interview.

Horror im Tattoo Bereich, also Horror-tattoos beschreiben alles was in irgendeiner Form düster, blutig, gewalttätig, blutüberströmt, verstümmelt oder dämonisch wirkt. Die dunkle Seite der Kunst eben. Gerade ein cooler Dämon, Schädel, Motte, Tentakel, Alien, Vampire, Werwolf bzw. Werwölfe, Baphomet, oder auch etwas undefinierbares aus Reißzähnen und Augen sind sehr gern genommene Motive. Horrortattoos sind in jedem Fall meine große Leidenschaft. Fun fact: das Wort 'Horror' stammt übrigens von dem lateinischen vom Wort Horror ab und bedeutet so viel wie „Starren, Erschauern, Schrecken, Schaudern, Grausen“.

 

 

 

 

 

 

Der Stil wirkt für viele ja eher abschreckend, was bewegt deine Kunden zu Horrortattoos, kannst du da aus deiner Erfahrung berichten?

 

 

 

 

Von außen betrachtet wirken Horror-Tattoos in jedem Fall sehr morbide und abschreckend. Interessanterweise sind meine Kunden, die gerade diesen Stil wählen, aber oft sehr einfühlsame, ruhige und nette Menschen. Ich denke bei Horror Tattoos spielen viele Faktoren mit rein: der eigene Umgang mit Verlusten, mit den alltäglichen Horror der uns in der Welt umgibt (Hunger, Krieg, Umweltkatstrophen etc.). Aber auch persönliche Schicksale. In der heutigen Zeit haben immer mehr Menschen mit Depressionen oder auch Angsstörungen zu tun. Horror versinnbildlicht diese inneren 'Dämonen' und viele Menschen möchten mit Tattoos ihr inneres nach außen tragen. Da macht es nur Sinn das Menschen auch ihre dunkle Seite zeigen wollen. Viele sehen darin auch eine Stärkung, da sie ihrem inneren Konflikten ein Bild geben können, und es motiviert weiter gegen sie anzukämpfen. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, mich treiben in dem Stil genau die gleichen Gedankengänge an.

 

 

 

 

 

Da steckt aber schon viel Tiefgang hinter, mehr als ich gedacht hätte. Von außen wirkt das alles sehr böse und gemein, das deine Kunden eher ruhig und nett sind hatte ich da weniger gedacht.

 

 

Ich denke es ist wie in vielen Subkulturen. Wenn man sich Punk, Metal oder Gothic anschaut wirken die Szenen auch oftmals eher abschreckend, wenn man die Menschen dann aber kennenlernt sind es oft die nettesten Menschen die man überhaupt treffen kann.

Auf mich wirkt Horror oft wie eine Spiegelgesellschaft.

Das ist mir besonders aufgefallen als ich mit anderen DarkArtists in Kontakt getreten bin, wo die reguläre Gesellschaft nach außen hin sehr freundlich und nett wirkt, im Hintergrund aber oft sehr falsch und neidisch ist, ist es im Dark Art Bereich eher so das es nach außen alles super fies und böse wirkt, in Realität aber sehr einfühlsam und nett zu geht.

 

 

 

Was waren deine ersten Berührungspunkte mit Horror?

 

 

 

 

Horror an sich fasziniert mich aber schon seit dem ich klein bin. Ich glaube meine ersten Berührungspunkte waren damals als ich 10 war und meine Mutter mit mir den ersten Alien Film mit den Designs von HR Giger gesehen hatte.

 

Ich weiß noch das ich gar nicht so recht Angst vor dem Alien hatte, das Design aber total klasse fand.

 

In Jugendjahren haben meine Freunde dann alles gesehen was unsere Hände schnappen konnten, Klassiker wie 'Ein Zombie hing am Glockenseil', 'Evil Dead' bzw. 'Tanz der Teufel', 'Das Ding aus einer anderen Welt', also 'the thing', 'Der Exorzist', 'Hellraiser', 'Friday the 13th', 'Nightmare on Elmstreet', 'Halloween' oder Peter Jacksons legendäre Filme 'Braindead' und 'Bad Taste'.

Generell habe ich damals glaube ich alle 'großen' Filme von Namenhaften Regisseuren wie Wes Craven, Clive Barker, John Carpenter, Sam Raimi und Guillermo del Toro angesehen.

 

 

 

Na das klingt ja nach einer wilden Jugend, wie bist du dann im Tätowieren zum Horror gekommen?

 

 

 

Anfangs habe ich alles tätowiert was ich konnte, dass war auch wichtig um einfach mal alles mitzunehmen und vieles zu lernen, ich habe früher auch viel. Mit Farben gearbeitet aber im Laufe der Jahre dann doch gemerkt das Horror mich mehr interessiert.

Zum einen war das Studio indem ich gelernt hatte, Psychotic Tattoo in Goslar, sehr Horror geprägt, zum anderen fand ich es einfach unglaublich faszinierend, was andere Tätowierer in dem Bereich so unter die Haut gebracht haben. Meine damaligen Vorbilder waren definitiv Paul Booth aus New York, oder Bob Tyrrell aus Michigan aber auch Liorcifer, ebenfalls aus New York.

 

 

 

 

Du sagtest das waren deine Vorbilder, wie sieht es heute aus?

 

 

 

 

Die Tattooszene, und auch das können der Tätowierer hat sich in den Jahren natürlich enorm weiter entwickelt. Paul Booth und Bob Tyrrell machen immernoch Klasse Arbeiten.

Mittlerweile sind aber so unsagbar viele, neue und auch sehr begabte Tätowierer dazu gekommen, sei es David Jorquera, ToxycXlr, Suneater, Insamnia, Mr. Dist, Gwooki, Grindesign, Kalo Davidson, Brandon Herrera, Massacrov, Mr_Nme, Roman Hide, Blackshadowtattos, Matiasfelipe oder Tommy Lee Wendt er um nur ein paar zu nennen.

 

 

 

Das ist wirklich eine lange Liste.

Was reizt dich persönlich am Horror so sehr?

 

 

 

Horror setzt dir keine Grenzen, es gibt keine Ästhetik die dir diktiert wird, es geht einfach darum etwas abartig es zu schaffen (muss kurz lachen)

Nein, es ist ja wirklich so, bei vielen Motiven brauchst du gerade, saubere Linien um eine gewisse Eleganz darzustellen. Das ist beim Horror einfach egal, so lange es böse und gemein aussieht hast du dein Ziel erreicht.

Gut mich fühlt sich das einfach freier an, ich kann mich auf Formen und Texturen konzentrieren und muss keinem Ideal hinterher laufen. Künstlerisch bedeutet es für mich Freiheit.

 

 

 

Und hast du Liebslingsmotive?

 

 

 

Also Schädel gehen immer!

Abseits davon liebe ich es aber auch Dämonen, Fratzen, Aliens oder höllischen Kreaturen zu entwerfen.

Und Cthulhu Liebe ich einfach.

Aber generell mag ich alles was in diese Richtung von Motiven geht. Egal ob Xenomorph, Necromorph oder Kreaturen aus diversen Horrorfilme und Spielen.

Ich liebe Tentakel, Reißzähnen und Augen.

 

 

 

 

Was unterscheidet dich von anderen Künstlern die Horror machen?

 

 

 

Puh, schwierige Frage, zum einen erstelle ich die Vorlagen selbst. Ich sehe viele Tätowierer die Collagen aus bestehenden Fotos machen, das ist natürlich legitim, aber ich finde es schöner die Designs wirklich selbst zu entwickeln. So steckt auch am Ende mehr von mir selbst im Motiv. Mal ganz davon ab das jedes Tattoo dadurch maximal individuell ist, was meine Kunden sehr schätzen.

 

Oft bekommen die Kunden daher eine Skizze als Entwurf, da ich die Schattierungen wirklich erst beim Tätowieren einplane, das hält den Prozess frischer für mich. Dadurch entsteht das Tattoo auch erst beim tätowieren. Das ist eine Sache die mir bei Photorealistik nicht so sehr gefällt, man hat ein Foto und malt dies am Ende nach, das ist kein kreativer Prozess. Sondern ein nachmalen. Technisch hat das natürlich aber auch seinen Reiz.

 

 

Wie denkst du wirst du dich weiter entwickeln?

 

 

Na, natürlich möchte ich immer besser werden!

Stilistisch lässt sich das schwer vorraus sehen, als Künstler ist man ja auch immer ein Abbild seiner Umwelt und lässt sich von anderen Künstlern inspirieren, was gerade in der heutigen Zeit Dank social media natürlich sehr schnell geht.

Das ist auch einer der Gründe warum ich die Vorlagen immer erst sehr zeitnah zum Termin fertig mache.

Ich beschäftige mich so viel mit dem Thema und sehe jeden Tag so viele Bilder. Eine Vorlage die ich vor 7-8 Wochen erstellt habe ist immernoch gut, aber ich bin dann meist vom Kopf her schon wieder ganz woanders unterwegs.

 

 

Wo ziehst du sonst noch deine Inspiration her?

 

 

 

 

Mittlerweile findet man Inspiration an allen Ecken und Enden, Kunst ist allgegenwärtig, man muss eben nur drauf achten.

 

Zum einen von Schriftstellern wie Clive Barker, Edgar Allan Poe, oder auch Howard Philip Lovecraft.

Oftmals sind Bücher da sogar interessanter als andere Medien zu konsumieren, da sie den eigenen Verstand und die eigene Vorstellung mehr anheizen als einfach ein anderes Bild zu sehen.

 

Aber ich finde auch Videospiel Designs zum steil enorm inspierend. Spiele wie Dead Space, Resident Evil, The Forest, Dying Light, Outlast, Silent Hill, Dark Souls oder Bloodborne liefern so viel interessante Bilder.

 

Und zu guter letzt natürlich auch auf CD-Covern von diversen Metal Bands.

Gerade im Metal core und Death core gibt's da wahnsinnig cooler Artworks!

Tool zum Beispiel arbeiten oft mit Alex Grey zusammen und haben tolle Artworks, aber auch Bands wie Thy Art is Murder, Mastodon, parkway Drive, Avenged Sevenfold, A day to remember, Trivium, Evergreen Terrace arbeiten alle mit wahnsinnig talentierten Künstlern zusammen.

 

 

Ich danke dir für deine Zeit und diesen Einblick in dein Tun.

 

 

Ich habe zu danken.

 

Sigille Vangore Chaosmagie Okkult