Biomechanik


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Hallo Josh, was genau ist Biomechanik, bzw. wie definiert sich der Stil?

 

 

Technisch bedeutet Biomechanik die Lehre der biologischen Fortbewegung.

 

 

Unter Biomechanik versteht man Tätowierungen, die so aussehen, als würde man in den Körper hinein schauen können und dort sehen, was unter der Haut vor sich geht. So bestimmen oft mechanische oder organische Elemente die Tätowierungen. Zum Beispiel sieht man so einzelne Muskeln oder Zahnräder, welche die Bewegung des Körperteils nachahmen. Häufiger ist es jedoch die Verbindung zwischen dem Menschlichen und etwas Fremden, was unter der Haut wächst oder daraus hervor bricht. Auf die einzelnen Varianten gehe ich später noch etwas genauer ein.

 

Wichtig für ein gutes Biomechanik-Tattoo ist es, den Fluss des Körpers durch das Design des Tattoos zu unterstreichen, so dass die Bewegungen des Körpers harmonisch mit dem Design „fließen“.

 

 

Du hast von verschiedenen Varianten erzählt, kannst du darauf genauer eingehen?

 

 

 

Biomechanik gliedert sich durch die Komplexität des Feldes in verschiedene Kategorien auf. Grenzen sind diesem Stil lediglich durch die eigene Phantasie gesetzt, daher ist es schwer, das Feld komplett zu umreißen. Ich versuche dennoch, ein paar Kategorien vorzugeben 

 

 


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Tattoo Mechanik Stil

Mechanik

 

 

Die erste Variante ist die rein mechanische. Dies bedeutet, man arbeitet so, als wäre die Haut an einigen Stellen aufgerissen und darunter sind Maschinenteile wie Federn, Kolben, Zahnräder, Kabel und Schläuche zu sehen. Dies ist die einfachste Variante der Biomechanik und meiner Meinung nach ein Einstieg in deutlich komplexere Formen dieser Stilart.


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Tattoo im Anatomie Stil

Anatomie und Hautaufriss

 

 

In dieser Art der Biomechanik wird ähnlich wie bei der Mechanik oft mit Hautaufrissen gearbeitet, nur stellt diese Variante oft die direkte Anatomie der Körperstelle durch die darunter liegenden Muskelstränge dar.


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Digitales Bio-Organic Design

Organik und Bioorganic

 

 

Bei organischen Elementen wird oft auf die Hautaufrisse verzichtet und man arbeitet so, als würde sich die Haut an sich transformieren und zu anderen Formen verwandeln, fast so, als wäre die Haut mutiert. Oft nehmen sich Tätowierer Elemente und Texturen aus der Natur, wie etwa Stein- oder Holztexturen als Vorbild, um das Erscheinen der Formen realistischer und interessanter zu gestalten. Diese Unterart der Biomechanik ist besonders durch Science Fiction-Literatur geprägt und folgt dem Gedanken der nächsten Evolution des Menschen. Einige nehmen diese Stilrichtung auch als „Huldigung“ der Natur / des Lebens wahr, da sie die Komplexität der Natur  und ihrer Anpassungsfähigkeit widerspiegelt.


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Digitale Zeichnung im Gigermech Style

Gigermech Biomechanic

  

Wer Biomechanik mag, kommt an dem berühmten Schweizer Künstler (Hans Rudolf) HR Giger nicht vorbei. Diese Stilrichtung widmet sich dem Schaffen dieses Künstlers und versucht, ähnlich wie Giger, die Grenzen zwischen Mechanik und Organik verschwimmen zu lassen. Dies bedeutet, man arbeitet sowohl mit mechanischen als auch organischen Elementen und kombiniert sie so, dass sie zu einem werden. Es gibt keine harten Abgrenzungen zwischen den Elementen und so wird aus beidem am Ende Eins.

Diese Stilrichtung ist wohl die interessanteste und tiefgründigste Variation, da sie abseits von ihrem optischen Anspruch auch die philosophischen Fragen der Science-Fiction-Literatur aufgreift. 

Was bedeutet Mensch sein? Wo ist die Grenze zwischen uns und Maschinen? Was passiert, wenn diese Grenzen überschritten werden? Fragen, die in Filmen wie "Blade Runner“ oder dem Buch „Träumen Androiden von elektronischen Schafen?“ zu Grunde liegen und schon immer einen wesentlichen Bestandteil der Sci-Fi-Literatur darstellen. Gerade heute, wo Technologie immer mehr Aufgaben in unserem Alltag übernimmt und auch Augmented Reality, Virtual Reality, Implantate, künstliche Intelligenz und immer komplexere Prothesen sich immer weiter entwickeln, sind solche Fragen aktueller denn je.

Daher ist dies auch eine meiner favorisierten Unterkategorien der Biomechanik.

Oft geht mit dieser Entwicklung ein gewisser dystopischer Gedanke einher, wodurch die Bilder oft eher dunkel gehalten sind.

 

 

Dies sind nur einige der zahlreichen Unterkategorien. Biomechanik lässt dem Künstler sehr viel Spielraum, um jede Menge Elemente einzubinden und ist daher fast unendlich erweiterbar. 

 

Ich selbst habe schon verschiedenste Projekte ausführen dürfen. Zum Teil einige mit mechanischen Tieren, ähnlich wie im aktuellen „Horizont Zero Dawn“-Spiel, oder einen Sleeve, welcher durch „Warhammer 40k“ inspiriert wurde. Biomechanik ist seit jeher ein bedeutender Bestandteil der Populär-Kultur und findet sich durch Androiden oder halb Mensch / halb Maschinenwesen in fast allen Sci-Fi orientierten Filmen und auch Spielen wieder. Die bekanntesten Vertreter dafür sind  sicherlich "Star Wars“, „Star Trek“, „Terminator“, „Matrix“ und auch die „Deus Ex“-Reihe.

 

          Wie ist Biomechanik entstanden?

 

 

Der eigentliche Grundgedanke hinter Biomechanik ist mit Sicherheit deutlich älter als die Stilrichtung selbst. Die Idee um Androiden und um Verbesserungen und Augmentierungen um den  menschlichen Körper kursiert schon seit geraumer Zeit in den Köpfen der Menschen. Dabei gelten besonders Autoren wie Isaac Asimov (1919-1992) und Philip K. Dick (1928-1982) als Pioniere dieser Ideen.

Hansruedi Giger
HR Giger

Geschichte der Biomechanik

 

Diesen Gedanken ein künstlerisches Gesicht zu geben und sie zu veranschaulichen, gelang dann jedoch erst dem vorab schon erwähnten Schweizer Künstler HR Giger (1940-2014).

Seine visionäre Kunst und die Verbindung zwischen Mechanik und Organik errangen in kürzester Zeit weltweiten Ruhm und trafen Mitte der 70er Jahre genau den Zeitgeist. Sein Mitwirken in Filmen wie "Alien“ und „Dune der Wüstenplanet“ half ihm und seiner Kunst schnell Anklang in der Sci-Fi und Horror-Szene zu finden. 

Durch diesen Ruhm und die Verbesserung der Technik des Tätowierens kam es schnell, dass sich die ersten Menschen Bilder von Giger tätowieren ließen. Dies war die Geburtsstunde der Biomechanik.

 

In den 90er Jahren entwickelte sich die Stilrichtung durch Szenegrößen wie Aaron Cain und Guy Aitchison insofern weiter, dass nicht nur noch Designs von Giger übernommen wurden, sondern Tätowierer anfingen, diese Stilart umzugestalten und weiterzuentwickeln. 

Giger hatte, abgesehen von der Biomechanik, auch einen maßgeblichen Einfluss auf Horror-Tätowierer, ganz besonders natürlich auf die Horror-Legende Paul Booth, welcher wiederum sehr viele andere Tätowierer durch sein Wirken beeinflusste. So ist Giger heutzutage in beiden Stilrichtungen nicht mehr wegzudenken.

 

 

Was reizt dich persönlich an Biomechanik?

 

Mich reizt besonders die gestalterische Freiheit der Biomechanik. Es ist toll, sich ein Design auszudenken, zu sehen, wie es zum Leben erwacht, wenn ich die Vorlage auf die Haut übertrage. Die nahezu unendlichen Möglichkeiten der Biomechanik lassen mir dabei viel Spielraum, mich selbst in das Design einzubringen und etwas wirklich Einzigartiges zu schaffen.

Wo man im Realismus sehr viel nach einer Fotovorlage arbeitet, hat man hier die Möglichkeit, in der Biomechanik gestalterisch selbst zu erschaffen. So ist jedes Design individuell angepasst und jedes Tattoo ein echtes Unikat.

Weiterhin bin ich schon immer ein sehr großer Fan von Giger gewesen und in gewisser Weise fühle ich mich, als würde ich seine Tradition, bzw. seinen Urgedanken weiter tragen.

 

 

Welche Vorbilder hast du im Bereich Biomechanik?

 

Oh je, da gibt es doch zahlreiche. Aus dem Kunstbereich sind es HR Giger und Zdzislaw Beksinski. Im Bereich des Tätowierens sind es Sam Nugent (Insamnia), Stepan Negur, Tommy Lee Wendtner, Kali Davidson, Eric De L’Etoile, Jeremia Barba und Markus Lenhard, Lux Altera um nur ein paar zu nennen.


Sigille Vangore Chaosmagie Okkult